Wärmepumpe & Trinkwasser: Was am Legionellen-Risiko wirklich dran ist

Wärmepumpe & Trinkwasser: Was am Legionellen-Risiko wirklich dran ist

Die Wärmewende läuft, doch bei vielen Hausbesitzern schwingt Skepsis mit. Ein Einwand hält sich hartnäckig: Weil Wärmepumpen mit niedrigeren Temperaturen arbeiten, drohe im Trinkwasser eine Legionellen-Brutstätte. Der Kern des Arguments ist nicht falsch – die Schlussfolgerung schon. Ein Faktencheck.

Warum Temperatur überhaupt eine Rolle spielt

  • Legionellen vermehren sich vor allem im lauwarmen Bereich zwischen etwa 25 °C und 45 °C.
  • Oberhalb von rund 50 °C verlangsamt sich das Wachstum deutlich, ab etwa 55 °C kommt es weitgehend zum Erliegen.
  • Das Abtöten ist keine feste Schwelle, sondern eine Frage von Temperatur und Einwirkzeit: Bei 60 °C geht es sehr schnell (Minuten), bei 55 °C dauert es deutlich länger (Stunden).

Deshalb gilt in Deutschland als Referenzwert: 60 °C am Speicheraustritt, mindestens 55 °C an jeder Entnahmestelle im Zirkulationssystem. Das schreiben die Trinkwasserverordnung und das technische Regelwerk (DVGW-Arbeitsblatt W 551) für Großanlagen verbindlich vor. Ein- und Zweifamilienhäuser gelten als Kleinanlagen und sind von der routinemäßigen Untersuchungspflicht ausgenommen – technisch bleiben 60 °C aber auch dort die empfohlene Auslegungsgröße, unter anderem laut Umweltbundesamt.

Der eigentliche Punkt: Wärmepumpen können 60 °C

Der Mythos lautet, eine Wärmepumpe schaffe die nötige Temperatur nicht. Das stimmt für moderne Geräte nicht mehr. Aktuelle Hochtemperatur-Wärmepumpen – insbesondere mit Propan (R290) als Kältemittel – erreichen Vorlauftemperaturen von 65 °C bis 75 °C und damit problemlos 60 °C im Trinkwasserspeicher.

Richtig ist allerdings: Je höher die Warmwassertemperatur, desto schlechter die Arbeitszahl. Warmwasserbereitung auf 60 °C kostet Effizienz. Genau hier liegt der sinnvolle Hebel – nicht darin, die Temperatur abzusenken, sondern die Menge des gespeicherten Warmwassers zu reduzieren.

Die elegante Lösung: gar kein Trinkwasser bevorraten

Statt den Zielkonflikt zwischen Hygiene und Effizienz auszureizen, umgehen zwei Konzepte ihn strukturell:

  • Frischwasserstation: Gespeichert wird Heizwasser, nicht Trinkwasser. Das Trinkwasser wird erst beim Öffnen des Hahns im Durchlaufprinzip über einen Wärmetauscher erwärmt. Es steht praktisch kein warmes Trinkwasser still – die Voraussetzung für Legionellenvermehrung entfällt weitgehend.
  • Hygienespeicher (Schichtenspeicher mit Trinkwasser-Wellrohr): Gleiches Prinzip, Wärmetauscher im Speicher integriert. Ebenfalls sehr kleines stehendes Trinkwasservolumen.

Bei beiden Varianten kann der Pufferspeicher mit niedrigerer Temperatur gefahren werden, ohne die Trinkwasserhygiene zu gefährden. Das ist der Weg, auf dem Effizienz und Hygiene tatsächlich zusammengehen.

Die Legionellenschaltung: sinnvoll, aber kein Freibrief

Viele Regelungen bieten ein periodisches Aufheizen auf über 60 °C an, oft über einen Elektro-Heizstab. Bei klassischen Trinkwasserspeichern ist diese Funktion sinnvoll und sollte nicht deaktiviert werden, nur um Strom zu sparen.

Sie hat aber eine bekannte Schwäche: Sie desinfiziert den Speicher, nicht zwangsläufig das gesamte Leitungsnetz. Steht heißes Wasser danach tagelang in langen Stichleitungen oder Totsträngen ab, kühlt es dort in den kritischen Bereich zurück. Eine Legionellenschaltung ersetzt also weder eine hydraulisch saubere Installation noch regelmäßige Nutzung – und bei einer Frischwasserstation ist sie schlicht überflüssig, weil kein Trinkwasser bevorratet wird.

Drei Regeln für den sicheren Betrieb

  1. Speicher nicht überdimensionieren. Der Warmwasserspeicher sollte zum tatsächlichen Verbrauch passen. Ein zu großer Speicher bedeutet lange Standzeiten – schlecht für Hygiene und Effizienz zugleich.
  2. Auf Durchlaufprinzip setzen. Bei Neuanlagen oder Modernisierung sind Frischwasserstation oder Hygienespeicher die hygienisch robustere Wahl.
  3. Stagnation vermeiden. Selten genutzte Entnahmestellen (Gästebad, Außenzapfstelle) regelmäßig laufen lassen. Nach längerer Abwesenheit alle Leitungen spülen – dabei vorher den Perlator abschrauben, den Raum lüften und nicht als erstes duschen. Legionellen sind beim Trinken unbedenklich; gefährlich wird erst das Einatmen feiner Wassertröpfchen.

Fazit

Effizienz und Hygiene schließen sich bei der Wärmepumpe nicht aus – aber der richtige Weg führt nicht über niedrigere Warmwassertemperaturen. Er führt über eine Anlagenplanung, bei der möglichst wenig warmes Trinkwasser stillsteht. Wer weiterhin einen klassischen Trinkwasserspeicher betreibt, sollte die 60 °C und die Legionellenschaltung beibehalten. Wer neu plant, spart sich den Zielkonflikt mit einer Frischwasserstation. Das Risiko ist dann nicht höher als bei einer Gas- oder Ölheizung – es ist eine Frage der Planung, nicht der Wärmeerzeuger-Technologie.

Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine fachliche Planung. Für die konkrete Auslegung von Trinkwasseranlagen ist ein Fachbetrieb (SHK) zuständig; maßgeblich sind Trinkwasserverordnung und DVGW-Regelwerk in der jeweils gültigen Fassung.

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